Google Currents? Nein, danke!

Ein neuer Hype geht durch die Bloglandschaft. Google Currents wurde offiziell in Deutschland gestartet und alle wollen sie dabei sein (z.B. hier, hier und hier).
„Das Internet als Zeitung“ heißt es, aber genau hier liegt das Problem: Currents wirkt wie ein hübscher Newsreader, ist aber keine offene Plattform, sondern ein geschlossenes Ökosystem.

Denn in Currents gibt es keine Möglichkeit, eigene RSS-Feeds hinzuzufügen (jedenfalls hab ich noch keine gefunden),  man kann nur „Editionen“ von manuell dort angelegten Webseiten abonnieren. Und auch das macht nur begrenzt Spass.  Dabei meine ich noch nichtmal die gekürzten RSS-Feeds der großen deutschen Nachrichtenportale, die in diesem Format so gar keinen Sinn machen. Selbst wenn man den ganzen Artikel sieht, funktioniert vieles nicht, wie man es erwartet oder gewohnt ist:

  • Verlinkung auf den Ursprungsartikel (z.B. um einen Kommentar zu hinterlassen)? Fehlanzeige! Bei einer der gekürzten Seiten habe ich einen „Auf Originalseite weiterlesen“ Button gefunden, sonst nicht.
  • Links innerhalb des Artikels anklicken? Funktioniert vermutlich, wenn man auf seinem Endgerät Chrome installiert hat, ansonsten kommen wirre Fehlerseiten (siehe unten). Von dort kommt man zwar per Zusatzklick auch zum normalen Browser, das ist aber ziemlich umständlich.
  • Vom Desktop auf Currents Inhalte zugreifen? Keine Chance. Schaut euch mal die Edition vom caschy an, wenig aussagekräftig, oder?
  • Artikel aus Currents in andere Social Networks teilen? Geht. Es wird aber kein Link auf die Quellseite gesetzt (wäre meine Erwartung gewesen), stattdessen bleiben diese innerhalb von Currents.  Vom PC aus wird man zwar auf die Ursprungsseite weitergeleitet, per Android-Browser sieht man aber wo der Link tatsächlich hinzeigt:
  • Optisch sehen alle „Editionen“ mehr oder minder gleich aus (Ok, das ist beim normalen RSS-Feed auch so) und bei ausführlicheren Artikeln mit unterschiedlich langen Absätzen bevorzuge ich eindeutig die Möglichkeit zu scrollen, „Buchseiten“blättern mag zwar nett aussehen, stört aber im Lesefluss.
  • Man kann neben RSS-Feeds noch andere Datenquellen wie Youtube oder Google+ hinzufügen. Klingt nett, aber G+ Nachrichten sind in den seltensten Fällen einen „Zeitungsartikel“ wert (sowohl inhaltlich als auch vom Umfang) und bei Videos interesisert mich normalerweise der Kontext, der dann gesondert in einem Artikel steht, im Zweifel taucht das Video dann zweimal auf?!?

Ok, soweit sogut. Man kann sich ja an alles gewöhnen. Und als hipper Blogbetreiber muss man ja jeden Trend zumindestens mal ausprobiert haben. Die Anleitung vom caschy wie man seine eigene Edition anlegt, sieht ja gar nicht so kompliziert aus. Aber auch hier schlägt das geschlossene Ökosystem mit voller Härte zu:Gehts noch? Nicht dass ich nicht in der Lage wäre, Chrome runterzuladen. Aber wieso? Warum darf ich keinen Firefox nutzen? Das ist ja so, als könnte man den Internet Explorer nur mit Windows nutzen… Moment mal… Aber Ihr versteht schon, wodrauf ich hinaus will, oder?

Fazit

Eigentlich ist Google Currents nichts anderes als ein hübscher News-Reader in Zeitungsoptik. Aber leider ohne viele der Features, die man von jedem beliebigen RSS-Reader kennt. Eigene Inhalte dort präsentieren? Nur mit Hürden. Interaktion? Fehlanzeige. Hätten man stattdessen nicht einfach den Google-Reader optisch und mit zusätzlichen Features aufbohren können? So wie es sich aktuell präsentiert (kann sich ja immer noch einiges mit den nächsten Updates ändern), mag ich Currents jedenfalls weder als Leser nutzen, noch selbst meine Inhalte dort reinwerfen.

Was haltet Ihr von Currents? Habt Ihr es bereits auf eurem Android/iOS Gerät installiert, oder sogar eine eigene Edition erstellt?

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11 Kommentare

  • Andi sagt:

    Schön zu sehen, dass es noch Leute gibt, die das ganze kritisch hinterfragen. Ich, das gebe ich zu, habe mich etwas blenden lassen. Allerdings sehe ich das Ganze nicht so arg.

    Klar, ein geschlossenes System ist nicht die Ideallösung. Allerdings kann man wirklich innerhalb von 10 Minuten sein RSS-Feed in eine Edition umwandeln und hat später keinen größeren Verwaltungsaufwand. Google Currents ist in meinen Augen ein etwas erweiterter Feed-Reader, der auch vom Normalverbraucher verwendet werden kann. RSS-Reader verwenden meines Wissens nur eher technikversierte Anwender, alle anderen bleiben bei E-Mail-Benachrichtigungen oder werden Follower auf G+/FB/Twitter.

    Die Verlinkung auf den Originalartikel im Browser fehlt in der Tat und wäre wünschenswert. Links im Artikel kann ich aber problemlos öffnen und habe den Chrome nicht installiert (nur Opera und den vorinstallierten Browser). Gut gefällt mir die seiteninterne Verlinkung, bei der nicht ein Browser sondern der verlinkte Artikel in Currents geöffnet wird.

    Beim Teilen in Sozialen Netzwerken läuft der Link zwar über Currents, dann aber auf die (aus dem RSS-Feed entnommene) Originalseite. Das stört mich wenig, sonst läufts ja auch meistens über einen URL-Shortener. Google ist halt auch nicht blöd und versucht Currents möglichst gut zu verweben.

    Weiterhin gibt es die Möglichkeit die Editions per CSS grafisch zu ändern, bedarf aber entsprechenden Arbeitsaufwands.

    Ich finde Currents also nicht so schlecht, wenn damit einige Nutzer von Facebook weg und zu wahren Webinhalten hin bewegt werden können 🙂 Sorry für den vielen Text

    • Stefan sagt:

      Hi Andi,
      lieber viel Text, als wenig Inhalt. 😉
      Wenn es ein erweiterter RSS-Reader sein soll, warum kann ich dann nicht beliebige Feeds adden, sondern muss hoffen, dass es eine Currents Edition gibt?
      Diese URL-Kürzer finde ich auch nicht prickelnd, aber das ist ein Thema für sich. Entscheidender Unterschied ist, dass man immer auf derselben Quellseite landet und nicht abhängig von der Plattform woanders. Und aus Sicht der Suchmaschinen macht es vermutlich auch nen Unterschied, ob ich fest auf die Zielseite weitergeleitet werde, oder auf der oben gezeigten Auswahlseite lande…

      Die Einzelpunkte finde ich für sich gesehen alle gar nicht so schlimm, aber das Gesamtpaket hinterlässt bei mir ein unschönes Gefühl.

  • Andi sagt:

    Schlimm wär‘ viel Text und wenig Inhalt 😉

    Hatte es gestern schon mal probiert ein RSS-Feed in die Bibliothek aufzunehmen, bekam aber nur eine Fehlermeldung präsentiert. Gerade eben nochmal über „Hinzufügen“ -> „Suche“ nach „mysha.de“ gesucht und dein Feed hinzugefügt. Nach ein paar Aufrufen bekam ich dann anstatt der Fehlermeldung dann dein Feed (siehe Bild) angezeigt. Anscheinend bereitet Google die Inhalte zuerst vor.

    URL-Shortener verarbeiten Suchmaschinen schon länger korrekt. Für Suchmaschinen (oder zumindest Google) sollte die Weiterleitung bei geteilten Links im sozialen Netzwerken also kein Problem sein.

    • Stefan sagt:

      Ok, dann nehme ich meine Aussage zumindestens teilweise zurück.
      Wenn die Inhalte aber erst aufbereitet werden, hat der 0815-Leser spätestens nach der zweiten Fehlermeldung eh schon aufgegeben.
      In diesem Zusammenhang ist mir gerade noch aufgefallen, dass man über die Startseiten-Suche nur Inhalte findet, die man auch bereits abonniert hat.
      Wirklich intuitiv und nach Mehrwert für Leser und Producer klingt das alles noch nicht…

  • Ich finde, es ist eine nette Spielerei. Brauchen wird man das nicht. Aber haben wollen es (doch) viele. So sind wir eben. Oder auch nicht. Je nach dem.

  • Skatze sagt:

    Ich hoffe Google überreizt es jetzt nicht mit seinen ganzen Projekten, solche Dinge kann der Riese sich gerne sparen und anderen den Vortritt lassen.

    • Stefan sagt:

      Ich finde es ja durchaus gut, dass Google seine Entwicklerpower auch nutzt, um neue Wege zu erforschen und neue Projekte/Tools aus dem Boden zu stampfen.
      Nur wäre es an manchen Stellen vllt. besser gewesen, vorhandene Konzepte (Google Reader) zu überarbeiten, anstatt nochmal von Vorne anzufangen und damit aus meiner Sicht insgesamt einen Schritt Rückwärts zu gehen.

  • Voku sagt:

    Hi, habe mir Google Currents auch kurz angesehen und innerhalb von wenigen Minuten hatte ich meinen Blog-Feed & Google+-Feed & Twitter-Feed zusammen auf einer Seite, welche für Tablets und Smartphones optimiert ist … 🙂

    -> https://www.google.com/producer/editions/CAow9Jh_/suckupde_it_blog

  • Julia sagt:

    Nun ja, das ist doch eine freiwillige Geschichte und wir leben in einem freien Land. Wer es also mag, soll google current haben und wer es nicht mag, der soll es lassen. Ich sehe da jetzt kein großes Problem drin.

    • Stefan sagt:

      Hallo Julia,
      sicher ist das jedem seine freie Entscheidung. Ich verbiete es ja auch keinem. Nachdem aber letzte Woche viele Blogs, die ich lese, begeistert davon berichteten, wollte ich halt mal kundtun, dass ich gar nicht so begeistert bin…

  • Georg sagt:

    Ich sehe das auch entspannt, solange current nichts kostet und keiner gezwungen wird das zu nutzen, was solls. Schön wäre allerdings, wenn es noch ein grosser Player, wie google, es schaffen würde sich am Markt zu etablieren.

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